Bürokratie und Paradoxie

Bürokratie. Seit über einem Monat ist meine Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen. Vor ungefähr vier Monaten beantragte ich die Verlängerung. Es mag Fälle geben, die umstritten sind, viel Überlegungszeit brauchen und sich ziehen ... aber bei mir ist es so: Ich lebe hier seit 15 Jahren, hatte Deutsch LK, ein 1,7 Abitur und bin für Germanistik an der Uni Mainz zugelassen. Man sollte meinen, dass die Sache klar ist.

Nach 3 Monaten rufe ich an und erfahre, dass mein Foto nicht passabel ist. Allerdings kam niemand auf die Idee, mir das mitzuteilen ... erst ein Anruf meinerseits bringt dies zu Tage. Ok, seis drum. Ich schicke ein Neues und es ist ok und man verspricht mir, dass die Sache nur noch 2 Wochen dauert. Ein weiterer Monat vergeht und ich rufe wieder an und beiläufig erzählt man mir, dass noch eine Schul- bzw Studienbescheinigung fehle. Ok, mein Fehler! Aber: Hätte man mir das nicht auch nach 3 Monaten bei meinem Anruf vor einem Monat sagen können? Oder zumindest sobald man dies bemerkte? Nein. Das wäre ja zu viel unbezahlte Arbeit. Es gibt Menschen, die jedes Vorurteil bestätigen. Und derartige Beamte, bestätigen nun einmal jedes Vorurteil gegen Beamte. Zumal ich um halb neun anrief und der gute Herr so klang, als weckte ich ihn soeben aus dem Tiefschlaf.

Ich bin gespannt. Und zwar darauf, welche Unterlagen noch fehlen, wenn ich in einem Monat wieder anrufe, um zu fragen, wo die versprochene Aufenthaltsgenehmigung bleibe. Am Ende bin ich vielleicht so genervt, dass ich mich selbst abschiebe.

Gut und schön. So viel zur Bürokratie, nun zur Paradoxie. Ich brauche für meinen Nebenjob ein Führungszeugnis. Dieses, so steht es zumindest auf der Seite des Bundesjustizamtes, müsse man persönlich bei der örtlichen Meldebehörde beantragen. Nun bin ich nicht vor Ort und so fragte jemand für mich, ob er es nicht für mich beantragen könne. Und siehe da: Es geht! Ein "Fremder" beantragt MEIN Führungszeugnis und sie schicken es an meine neue Adresse, auf die ich allerdings noch nicht einmal gemeldet bin. So viel zu Datenschutz.

Und soviel zu Bürokratie und Paradoxie.

28.9.09 10:51

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