Charlie Bartlett - Wie ein Sommersalat

Es gibt Filme, die bereits erfolgreich sind, bevor sie überhaupt auf die Leinwand kommen. Das sind die Filme, in die man mehr Werbung als Qualität hineinsteckt.
Es gibt aber auch Filme, die monatelang ungeachtet in kleinen Kinosälen laufen. Das sind die Filme, die mit viel Liebe, aber wenig Geld gemacht werden.
Charlie Bartlett scheint ein solcher Film zu sein. Weder im Fernsehen noch im Kino bekommt man den Trailer zu sehen - man hört und sieht nichts von diesem Film.
Also sei folgendes erwähnt: Es handelt sich um eine Komödie. Und man mag, da man ja auch Vorurteile gegenüber Dingen hat, von denen man noch niemals etwas hörte, glauben, es handle sich um eine stumpfe Teenie-Komödie. Dem ist nicht so.
Charlie Bartlett ist ein kluger Junge, der auf Grund seiner familiären Situation nicht wirklich die Freiheit hat, ein Jugendlicher zu sein. Unter Mitschülern ist er stets ein Außenseiter. Auf der Suche nach Anerkennung lässt er sich so einiges einfallen. Und da Charlie nicht dumm ist, gelingt ihm die gesellschaftliche Integration auch - mithilfe von vielen Toiletten-Gesprächen, in denen er seinen Mitschülern zuhört und Ratschläge gibt - und nicht zuiletzt auch mithilfe von kleinen Pillen.

Charlie ist ein sympathischer Charakter. Er ist überdurchschnittlich klug, trotz Reichtum bescheiden, kreativ, künstlerisch begabt, witzig und ganz einfach süß. Aber in diesem Film glänzt nicht nur der Hauptcharakter. Auch die Nebenfiguren sind meisterhaft gelungen. Da wäre zu einem die etwas verrückte Mutter, durch und durch naiv und leicht beschwipst. In der Mutter-Kind-Beziehung scheint sie das Kind zu sein. Diese skurille Frau wird hervorragend von der Schauspielerin Hope Davis dargestellt. Auch überzeugend ist der desillusionierte Direktor, der Tag für Tag miterleben muss, wie seine einstigen Ideale nicht mit seiner Machtposition vereinbar sind.
Dieser Direktor sagt: Manche Tage sind besser als andere.

Und manche Filme sind besser als andere. "Charlie Bartlett" ist ein besserer Film. Dieser Film ist sicherlich keine schwere Kost, der vor intelektuellen Ansprüchen das Publikum überfordert.
Er zeichnet sich eher durch einen feinen Sinn für Humor, einer Prise Verrücktheit und subtiler Tiefsinnigkeit aus und ähnelt damit einem bunten, äußerst leckeren Sommersalat.

Besonders schön und rührend sind auch die musikalischen Einlagen. Davon hier eine Kostbrobe:


Und auch recht witzig:


In diesem Sinne: Well if you want to say yes, say yes
And if you want to say no, say no
'Cause there's a million ways to go
You know that there are ... Aber "JA" zu "Charlie Bartlett" wäre der beste Weg

9.7.08 11:26

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gina (9.7.08 13:11)
Ist das nicht meistens so, dass die Filme die in den kleinen, versteckten Kinos gezeigt werden, vom Gefühl her um ein vielfaches intensiver sind als die großen, milliardenschweren Hollywoodstreifen die zu jeder Tages- und Nachtzeit im Cinemaxx laufen?!


phoenixblut (9.7.08 16:14)
Doch, das denke ich auch. Bei den milliardenswchweren Hollywoodstreifen gehts meist einfach nur darum, das zu zeigen, was möglichst viele Menschen sehen wollen. Also: Action, stumpfer Humor und so weiter ...