Verdien es dir!

Wer verdient es glücklich zu sein und wer nicht? Wer verdient die Todesstrafe? Verdient sie überhaupt irgendjemand? Bekommen diejenigen Anerkennung, die es auch verdienen? Muss man sich Reichtum verdienen? Wer verdient es nicht, geliebt zu werden?

Manches ist einfach zu beantworten. Die, die gut zu anderen sind und andere glücklich machen, verdienen es auch, glücklich zu sein. Aber es ist nicht immer so. Herzensgute Menschen werden ausgenutzt und verletzt.

Anerkennung sollte man sich verdienen, in dem man etwas leistet, was andere Menschen aufsehen lässt. Aber wie viele Promis bekommen für nichts als "sich-selbst-zur-Schau-stellen" Anerkennung? Hat man etwas geleistet, wenn man die Verlobte von Boris Becker ist?

Reichtum sollte man sich durch harte Arbeit verdienen. Aber die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Heißt das, die Armen sind faul und arbeiten nicht?

All diese und weitere Überlegungen verleiten mich zu der Vermutung, dass vielleicht alles nur Illusion ist und verdienen und nicht verdienen sind gleichermaßen Hirngespinste unserer Sehnsucht nach nicht vorhandener Gerechtigkeit.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Vertrauen hat etwas mit glauben zu tun und der Glaube gehört bekanntlicherweise in die Kirche.
Kontrolle hingegen hat etwas mit Beweisen und Logik zu tun und sorgt somit für Beruhigung. Es geht uns ganz einfach besser, wenn wir alles unter Kontrolle zu haben scheinen.
Doch wann werden wir begreifen, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben können? Unser Leben wird zu sehr von Zufälligkeiten beeinflusst. Das Leben ist nicht gleich unser Wille. Unsere Sinne können unmöglich alles, was um uns herum geschieht, wahrnehmen oder gar beeinflussen. Wir sind nur kleine Menschen auf einem großen Planeten in einem riesigen Universum. Und da maßen wir uns tatsächlich an, die Kontrolle stehe uns zu.
Wann werden wir begreifen, dass unser Leben Raum und Platz braucht, sich zu entfalten? Wann werden wir einsehen, dass wir nicht über alles und jeden die Kontrolle haben können? Wann werden wir es akzeptieren?

Vielleicht niemals.

Die Freiheit

Ich möchte sehr gern mal wieder etwas produktives Schreiben. Worte zu Papier bzw zu Blog bringen, die mich selbst überzeugen, mich selbst rühren, mir selbst etwas bedeuten.
Aber wo sind all die Worte? Auf der Suche nach dem Schönen begegne ich vielen Ideen, vielen Gedanken ... nur flattern sie mir fort ehe ich sie fassen, sie fangen kann.
Wo ist bloß das Mädchin hin, das ohne die Schreiberei nicht atmen konnte? Das Mädchen, das täglich Tagebuch schrieb und jeden Satz für weltrelevant hielt? Das Mädchen, das Gedichte in "Massen produzierte"? Ich glaube, es lag daran, dass jenes Mädchen sich frei fühlte, zu fühlen. Jedes Gefühl war erlaubt, erwünscht, unabdingbar. Es gab keine Zensur. Keine selbstdefinierten und auch keine fremddefinierten. Die Freiheit des Fühlens war die Freiheit der Worte.

Diese Freiheit ist nicht mehr da.

Getrennte Wege

Die Sitzordnung im Chemiesaal sieht folgendermaßen aus: Vier Bankreihen mit jeweils 4 Sitzen sowohl auf der linken wie auch auf der rechten Seite - getrennt durch den Mittelgang. Da wir in Reli einen Film schauen wollten, mussten wir unseren Kellerraum verlassen und gegen besagten Chemiesaal eingetauscht.
Und unser Reli-Lehrer stellte belustigt fest: "Ach, das ist ja wie im 5. Schuljahr!"
Es hat sich so ergeben, dass alle Jungs auf der linken und alle Mädchen auf der rechten Seite saßen. Diese klare Trennung ist ganz unterbewusst abgelaufen.
Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Wie soll das klappen zwischen Mann und Frau? Es ist zum Scheitern verurteilt, wo doch alles in uns, nach dieser Geschlechtertrennung abgestimmt ist. Es gibt Damen- und Herrentoiletten, was doch im Grunde nicht notwendig wäre, genauso wenig wie Männer- und Frauenumkleiden im Schwimmbad, Herren- und Damenabteilungen in Kaufhäusern und und und.
Alles ist nach dieser Trennung von Mann und Frau ausgerichtet und da kommen wir und glauben, eine Beziehung sei das Richtige für uns.

Mensch, du dummes Ding.

Politik und Wikipedia

Ich habe gestern hartaberfair auf ARD gesehen. Thema war: Die SPD am Abgrund - was bringt der Schritt nach vorn?
Aber darauf möchte ich gar nicht näher eingegen. Wie wir wissen, kommen Politiker oft vom eigentlichen Thema ab und so ging es dann irgendwann um Frau Merkels Vergangenheit.
Oskar LaFontaine behauptete in einer anderen Sendung, Frau Merkel habe in Moskau studiert, was ihre Treue zum Kommunismus zeige. Der Moderator meinte, die Redaktion habe das nachrecherchiert und die Aussage von Frau Merkel selbst eingeholt: Es stimme einfach nicht. Frau Merkel habe nie in Moskau studiert.
Darauf - und jetzt kommt es - sagte LaFontaine: Doch das stimmt! Sie war dort als Austauschstudentin, das kann man bei Wikipedia nachlesen!

Ich fand es wirklich lustig. Er hat das so ernsthaft gesagt ... Aber ich glaube nicht, dass LaFontaine so dumm ist, dass er wahrhaft glaubt, Wikipedia sei eine zuverlässige Quelle ... Und nachdem ich genügend gelacht habe, frage ich mich, was dahinter steckt. Warum sagt er sowas, wovon er in Betracht ziehen muss, als Depp der Nation zu gelten? Er ist nicht dumm, da bin ich sicher. Was also hat ihn geritten?

Wenn sich die Gedanken im Kreis drehen ...

Ein Krokodil hat ein Kind geraubt und verspricht der Mutter, ihr das Kind zurückzugeben, wenn sie errät, was das Krokodil tun wird. Die Mutter sagt daraufhin: "Du wirst mir das Kind nicht zurückgeben."

Das Krokodil argumentiert nun: "Du wirst das Kind nicht zurückbekommen. Wenn Deine Aussage falsch ist, auf Grund unserer Vereinbarung. Wenn deine Aussage richtig ist, dann, weil es stimmt, daß Du das Kind nicht zurückbekommst."

Die Mutter argumentiert dagegen: "Ich muß mein Kind auf jeden Fall zurückbekommen. Denn wenn meine Aussage wahr ist, dann erhalte ich das Kind auf Grund unsere Vereinbarung zurück. Sollte die Aussage falsch sein, dann erhalte ich meine Kind zurück, weil die Aussage ja falsch ist, daß ich es nicht zurückbekomme."

Die Geschichte von den Geschichten

Meine Tante hatte früher ein Restaurant und darüber ihre Wohnung. Damals war sie noch jung und am Beginn einer Liebschaft, was ich damals natürlich nicht wirklich verstand. Ich war froh, sie für mich zu haben. Für mich ganz allein. Es gab nur sie und mich, nachdem sie das Restaurant geschlossen hatte. Und manchmal haben wir uns in der Videothek einen Disney-Film ausgeliehen (bevorzugt Snow White - davon konnte ich nie genug bekommen). Wir schoben dann einige Stühle zusammen und machten es uns darauf gemütlich. Ich war so klein, dass ich genug Platz auf zwei Stühlen hatte und sie war auch sehr zierlich. Wir verwandelten das Restaurant zu unserem Reich. Eine kleine Höhle, in der wir uns Geborgenheit schenkten. Und wenn wir uns keinen Film anschauten, lagen wir da und sie erzählte mir Geschichten. Ich konnte nie genug bekommen. "Noch eine, noch eine!", forderte ich unaufhörlich. Mit der Zeit gingen ihr di Ideen aus und wir machten einen Deal: Sie erzählte mir eine Geschichte und wenn ich noch eine hören wollte, musste ich ihr zunächst auch eine erzählen.
Die erste Geschichte, die ich mir in meinem Leben ausdachte, ging so:
Eine Familie hatte einen Wachhand. Eines abends kläffte der Hund und der Vater schaute nach, ob nicht jemand sein Unwesen trieb. Aber es war niemand da. Nächste Nacht das gleiche und ebenso übernächste Nacht. Die Fmiliewar genervt, da sie nicht schlafen konnten. Eines Nachts stieg ein Einbrecher über den Gartenzaun und der Hund kläffte und kläffte. Aber alle vergruben ihre Ohren tief in die Kissen und versuchten zu schlafen, sie glaubten dem Hund nicht. Und so wurden sie ausgeraubt.
Ich habe den Mittelteil der Geschichte, wo der Hund sinnlos bellte, sehr in die Länge gezogen und jede kleine Einzelheit erzählt - damit es eine lange Geschichte wurde und mir meine Tante im Gegenzug eine genauso lange Geschichte erzählte. Ich gebe zu, das es da bessere und vor allem aussagekräftigere Erzählungen gibt, aber ich war zwischen fünf und acht Jahren alt (so genau weiß ich das nicht mehr ... meine Kindheit war ein einziger schöner Tag).

Als ihr Freund dann öfters mal zu Besuch kam, musste ich alleine unten im Restaurant Snow White gucken ...

Die kleine Familie

Totgesagte leben länger.

Hier bin ich.

Ich habe alte Kuscheltiere aus meinem Bettkasten herausgekramt und so ist meine kleine Kuscheltierfamilie ganz (bzw fast ganz) vereint. Also, da wäre einmal ein großer, gelber Vogel, auch bekannt als Tweety. Aber damals als ich das Riesenkuscheltier bekam, das größer war als ich selbst, wusste ich nichts von Tweety und taufte das Kerlchen "Banane Wunschvogel". Ein komischer Name, das gebe ich zu. Aber das Tier war gelb und das erste, was mir einfiel, war eine Banane. Und den Beinamen Wunschvogel bekam Banane im Laufe der Zeit. Immer wenn mich etwas bedrückte, knuddelte ich Banene und flüsterte ihm einen Wunsch zu. Und ich glaube, es hat manches Mal etwas bewirkt. Dass ich oft traurig war und Wünsche hatte, sieht man daran, dass Banane sehr zerknautscht ist und die Nähte schon mehrere Male geplatzt sind, sodass ich sie damals laienhaft wieder zunähte.
Dann gibt es da noch Bär, ein grimmig-blickender Teddy und Puppa, eine Plüschpuppe in blau. Leider kann ich Hase nie mehr in die Arme scließen. Hase war ein Plüschhase, den ich von allen Kuschelieren am meisten liebte und ohne dass ich nicht schlafen wollte. Auch Hases Nähte gingen irgendwann auseinander, ich flickte sie immer und immer wieder. Hase musste leben! Eines Tages war Hase verschwunden. Ich werde Mama nie verzeihen, dass sie ihn in den Restmüll stopfte!

Meine kleine Kuscheltierfamilie steht - und das wird mir erst jetzt im Alter von 19 Jahren klar - für meine Familie in Thailand. Banane und Hase habe ich von meiner Lieblingstante bekommen, Bär von meinem leiblichen Vater und Puppa von meiner Oma. Indem ich diese Tiere knuddelte, konnte ich meiner Familie nah sein, die so fern war.

Warum reicht das alles heute nicht mehr?

Nietzsche

Die Feder kritzelt: Hölle das!
Bin ich verdammt zum Kritzeln-Müssen?
So greif ich kühn zum Tintenfass
Und schreib mit dicken Tintenflüssen.
Wie läuft das hin, so voll, so breit!
Wie glückt mir alles, wie ich's schreibe!
Zwar fehlt der Schrift die Deutlichkeit -
Was tuts? Wer liest denn, was ich schreibe?

Die letzte Etappe

Als ich vor gut 12 Jahren eingeschult wurde, war ich voller Lust, die Welt des Wissens zu erobern. Mit viel Freude lernte ich lesen und schreiben, baute ein sehr persönliches Verhältnis zu meiner Grundschullehrerin auf und freute mich jeden Morgen auf den Schultag. Als der Bus eines Tages wegen Glatteis nicht kam, weinte ich bitterlich.
Die Umstellung auf das Gymnasium fiel mir recht schwer, doch letztendlich fand ich auch zu dieser neuen Welt den Zugang. Meine Noten wurden im Vergleich zu den Grundschulnoten schlechter, doch auch das sollte im Lauf der Jahre ein gesundes Gleichgewicht finden.
In meiner schulischen Laufbahn habe ich viel gelernt - und das über den Unterrichtsstoff hinaus. Vor allem habe ich mir so oft und werde es wohl bis zum endgültigen Abschied noch oft beweisen, dass mein Chaos-Stress-Management funktioniert.
Nun fangen wir mit den Abiturvorbereitungen an; Abifeiern planen, Abizeitung, etc.
Im Eiltempo werden wir die letzte Etappe unserer Reise angehen und schon in einem halben Jahr heißt es, Abschied nehmen, selbstständig werden ... die Küken lernen fliegen.

Das macht mich ganz traurig.

Was wird dann kommen? Und wer? Und wo? Wer hat bei so vielen offenen Fragen keine Angst vor der Zukunft?