Kreislauf des Wollens

Manchmal ist es uns so wichtig, etwas zu haben, es gar zu besitzen, dass uns gar nicht auffällt, dass wir es gar nicht wollen und womöglich auch nicht brauchen.
Irgendein vorprogrammierter Prozess setzt sich in Gang, wir setzen alles daran, es zu bekommen - als hinge unser Leben davon ab.
Wenn wir Glück haben, werden wir unser Ziel nicht erreichen, dann bleibt der Wunsch bestehen. Wir hören nicht auf zu glauben, dass wir es brauchen, wollen, haben müssen.

Doch manchmal passiert es auch, dass wir bekommen, wofür wir uns so anstrengen. Wir freuen uns. Freuen uns sehr. Sind erleichtert. Sehr. Und dann - auf einmal - überfällt es uns so schlagartig, dass wir uns nicht davor verstecken können: Die Leere. Es schleicht sich dieses Gefühl in uns ein, das leise flüstert: Eigentlich willst du es gar nicht haben ...
Leise, aber unaufhörlich schleichen diese Worte durch unsere Gedanken. Wir versuchen sie wegzuscheuchen, nicht darauf zu hören. Wir sagen uns: Ich freue mich, ich habe, was ich wollte. Aber irgendwann siegt die leise Stimme.

Und dann begeben wir uns auf die Suche nach dem, was wir wirklich wollen und brauchen. Wir finden scheinbar eine Antwort und das Ganze fängt von vorne an.

"Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird." Hans Krailsheimer

Weh dem, der keine Heimat hat.

Es wird kalt. Grau in grau durchzieht Straßen, Wälder, Menschenseelen. Und jedes Jahr um diese zeit wundern wir uns. Denn wir bilden uns ein, dass, aus welchen Gründen auch immer, der kommende Winter erträglicher wird als der letzte. Wärmer, bunter, besser. Wir glauben, dass wir weniger allein sein werden, dass die kalten Tage recht gemütlich werden.

Blätter fallen, verenden. Längst schon gibt es keine Kinder mehr, die sich an buntem Laub und gefallenen Kastanien erfreuen können. Eine jede Menschenseele ist allein. Die jungen wie die alten.

In einer Welt, die immer kälter wird.

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n –
Weh dem, der keine Heimat hat!
(Nietzsche)

Wortgemetzel

Die stärkste Waffe eines gescheiten Menschen ist das Wort. Worte haben es in sich. Sie können erfreuen, beglücken, verletzen und gar zerstören.

Und in einem verbalen Streit schmeißt man oft mit Worten um sich. Vorwurfsvolle Worte. Worte der Enttäuschung. Worte der Wut, der Verzweiflung oder der Traurigkeit.
Und manch einer, dem man zum Kampfe ein Messer in die Hand drückt, fängt an zu metzeln ... dabei würde ein präziser Stich doch reichen, um den Gegner zu töten.
Und so ist es mit den Worten. In einem Streit fangen die meisten an zu metzeln, sie schmeißen mit beleidigenden, primitiven, vulgären Wörtern um sich. Diese Worte machen den Gegner wütend, aber sie verletzen ihn selten.

Die Wortwahl, die man für sein Gegenüber wählt, ist oftmals auch Abbild dessen, in welchem Maße man Respekt und Achtung vor diesem Menschen hat. Besonders die Wortwahl in einem Streit.

Früher gab es zwei Menschen in meinem Leben, mit denen ich regelmäßig stritt. Ich frage mich heute: Beherrschten diese Menschen nur nicht den Umgang mit der Waffe oder hatten sie einfach in keinem Maße Respekt vor mir?

Und daran anschließend stelle ich mir die Frage, ob sie überhaupt Respekt vor sich selbst hatten?

Gekleckse

Vielleicht ist es an der Zeit etwas zu schreiben, nur um des Schreibens willen. Wahrscheinlich hätte ich viel zu sagen - über das Gute und Schöne und über das Böse und Traurige. Über Wichtiges und Unwichtiges. Über Liebe und Tod. Ach, es gibt ne Menge Dinge, denen man mit Hilfe großer Worte, eine große Bedeutung zuschreiben könnte.

Aber zwei Möglichkeiten führen dazu, dass ein Mensch nicht die richtigen Worte findet: Entweder er ist leer oder er ist übervoll. Leer an Emotionen, an Gedanken, Wünschen, Träumen, Zielen und Idealen. Oder er ist so gefüllt mit all diesen Dingen, dass in ihm ein unendliches Chaos herrscht. Ein Chaos, das nicht in Worte zu fassen ist.

Ich weiß nicht, ob ich leer oder übervoll bin. Jedenfalls bin ich nicht fähig, mit großen Worten wunderschöne, skurrille, paradoxe oder verschreckende Bilder in die Welt der Leser zu malen. Nicht mehr.

Aber ich wollte schreiben. Ich dachte, ich versuche es noch einmal: Mit Worten malen. Es ist kein Kunstwerk entstanden. Nur ein paar Kleckse.

Aber manchmal ist das Leben so: Man kleckert so vor sich.

Die Dinge und die Liebe

Ein Mensch, der mir einmal sehr viel bedeutete und wahrscheinlich nie nichts bedeuten wird, sagte oft zu mir: „Man liebt nicht weil, man liebt einfach so!“

Es gibt sehr viele Gründe, einen Menschen zu lieben. Sei es, weil er gut zu uns ist, aufrichtig und fürsorglich, oder weil er uns eine sichere Zukunft bietet oder weil er uns zuhört und versteht, weil er für uns da ist oder uns bis ans Ende der Welt folgen würde. Es gibt viele Gründe, einen Menschen zu lieben. Aber wie oft geschieht es, dass wir diesen Menschen, den wir auf Grund vieler Gesichtspunkte lieben müssten, nicht lieben? Einfach so nicht lieben.

Und es gibt viele Gründe, einen Menschen nicht zu lieben. Sei es, weil er nicht ehrlich zu uns ist und wir ihm nicht vertrauen, er nicht die Mittel hat, unsere Träume zu erfüllen oder weil wir auf seiner Prioritätsliste viel zu weit unten stehen oder er rein gar nichts mit uns gemein hat. Es gibt viele Gründe, einen Menschen nicht zu lieben. Aber wie oft geschieht es, dass wir diesen Menschen, den wir auf Grund vieler Gesichtspunkte nicht lieben dürften, lieben? Einfach so lieben.

Wie oft sagen wir: Wir lieben das Zucken seiner Mundwinkel, wenn wir ihn amüsieren, das Heben seiner linken Augenbraue, wenn er skeptisch ist, das Strahlen in seinen Augen, wenn er sich freut, das weiche Haar, durch das wir unsere Fingerspitzen so gerne fahren lassen, seinen Kleidungsstil, seine Fahrweise, die Melodie seiner Stimme, seinen Gang, seinen Mut, seine Fantasie und Kreativität, seine Träume, von denen wir wissen, dass wir darin einen Platz haben ...

Aber all diese Dinge lieben wir, weil wir ihn lieben. Aber wir lieben nicht ihn, weil wir diese Dinge lieben.
Der Mensch, der mir einmal viel bedeutete und wahrscheinlich nie nichts bedeuten wird, hatte also sowohl Recht wie auch Unrecht. Wir lieben einen Menschen nicht, weil er bestimmte Dinge verkörpert, sagt oder tut. Aber wir lieben die Dinge, weil wir einen bestimmten Menschen lieben, der sie verkörpert, sagt oder tut.

Der Jahresrückblick

In wenigen Stunden fängt ein neues Jahr an. Viele Menschen haben bereits sehr viele Neujahrsvorsätze.

Ich ggehöre zu den Menschen, die Neujahrsvorsätze für wenig sinnvoll halten. Vielleicht liegt es daran, dass meine Kreattivität keine Grenzen kennt, wenn es darum geht, Gründe dafür zu finden, etwas für nichtig zu erklären, das so viel Kraft und Mühe braucht, um durchzuhalten.

Also lasse ich das Jahr auf mich zukommen. Ist nicht ohnhehin viel wichtiger, wie das vergangene Jahr war? Was kommt, können wir nicht wissen, wir müssen ihm voller Spannung entgegensehen. Doch das, was war, können wir beurteilen ... war das Jahr überhaupt lebenswert? Hat es sich gelohnt so viele Male ein- und auszuatmen?

Ich lasse mein Jahr Revue passieren ... Um nicht allzu sehr auszuschweifen, beschränke ich mich auf die Dinge, für die es sich vielleicht gelohnt haben könnte, zu leben.

Ich habe mein Abitur gemacht und mein lang gehegtes und längst verloren geglaubtes Ziel von 1,9 um 0,2 getoppt. 1,7 ... für eine Leistung die voll und ganz ohne Lernen und Mühe erbracht wurde - nennt man das nicht Glück? Ich habe für den Abiball ein berauschendes Abendkleid gekauft bzw gekauft bekommen. Etwas Einzigartiges und womöglich dem Anlass in weitem Maße nicht angepasst - und doch ein Kleinmädchentraum. Ist das nicht Glück? Zu erleben, wie ein Traum Erfüllung wird?

Ich hatte viel Zeit bis zum Studienbeginn und Herzensangelenheiten veranlassten mich, spontan und mit festem Willen einen Flug nach Thailand zu buchen. Meine Heimat, in der ich schon 7 Jahre lang nicht mehr war. Und dort wartete eine mich liebende Familie auf mich, viel Herzenswärme und viel Vertrautheit. Es war schön, endlich wieder zu Hause zu sein. Zuhause ist da, wo man geliebt wird, nicht wahr? Ist das nicht Glück? Zu wissen, dass man ein Zuhause hat!

Ich kam wieder und wurde von meiner Familie hier mit Herzlichkeit wieder aufgenommen. Ist es nicht schön, dass man aufgenommen wird? Dass man willkommen ist? ... Und der Sommer nahm seinen Lauf.
Ich erlebte viele kleine Abenteuer, fühlte mich jung und wild und frei, fühlte mich geliebt und begehrt.
Ich sprang aus allen Wolken und gleitete zur Erde. Ist das nicht Glück? Zu fallen und sanft zulanden?

Ich eroberte mit meiner Familie Paris, die Stadt der Künstler. Und ich wurde von der Uni Trier für "Medien/Kommunikation/Gesellschaft" zugelassen. Ich wurde in Mainz für Germasnistik, aber nicht Publizistik zugelassen. Ich entschied mich trotzdem für Mainz. Ich suchte mir eine Wohnung und fand eine sehr schöne. Und dann stellte sich heraus, dass ich durch Nachrückverfahren doch noch in mein Wunschfach Publizistik reinkomme. Ist das nicht ein Glück? Zu bekommen, was man will?

Ich habe mich in Mainz eingelebt, nette Menschen kennen gelernt, darunter auch Menschen die mir nahe kamen, die zwar den Weg in mein Herz nicht fanden, aber mir indirekt den Weg zeigten, den mein Herz mit mir gehen möchte. Ist das nicht Glück? Zu wissen, wohin man will?

Es sind nur ein paar Dinge, die das Jahr 2009 zu einem Jahr gemacht haben, von dem ich sagen kann: Ich bereue nicht, es erlebt zu haben. Ich bereue nicht, dass ich mich nicht zu rechter Zeit umgebracht habe um der Sinnlosigkeit des Lebens zu entgehen.

Es sind Dinge, die das Jahr 2009 zu einem Jahr gemacht haben, von dem ich sagen kann: Allein um dieser Dinge willen, freue ich mich von Herzen, geboren zu sein!

Und ich bin gespannt, was 2010 für mich bereit hält!

Euch allen, die ihr mir über all die Zeit eure Aufmerksamkeit geschenkt habt, wünsche ich ein farbenfrohes, abenteuerliches, lustiges Jahr 2010.

Man kann ja auch ohne Internet leben

Es ist faszinierend, haarsträubend und nicht zuletzt amüsant.

Was machte ich früher, wenn ich als Hausaufgabe aufbekam, etwas über einen bestimmten Menschen herauszufinden?

Ich, klein und zierlich, hievte das Lexikon, groß und schwer, aus dem Regal und schaute nach.

Was macht das Mädchen von heute?

Es klickt auf Wikipedia, druckt es aus und ist fertig.

Was machte ich früher, wenn ich ein Buch lesen wollte?

Ich ging in die Buchhandlung, stöberte (manchmal stundenlang) in den Regalen und kaufte es.

Das Mädchen von heute liest nicht mehr und wenn doch, liest es Blogs, twitter und ICQ-Nachrichten. In seltenen Fällen bestellt es sich ein Buch auf amazon.de.

Was machte ich früher, wenn mir langweilig war?

Ich lief zu einer Freundin und fragte, ob sie Zeit habe und dann spielten wir Monopoly oder "Stadt, Land, Fluss" oder malten mit Kreide die Straßen voll.

Das Mädchen von heute öffnet diverse Messenger und chattet mit Freundinnen. Das ist praktisch, wenn man weit auseinander wohnt ... manchmal trennen die Freundinnen nämlich ganze drei Häuser!

Aber: Es gibt sie, diese Mädchen, die auch ohne Internet leben können: "Es geht auch ohne Internet, man kann ja auch was machen, was man nicht im Internet macht. Man kann zum Beispiel Playstation spielen oder Nintendo DS, es gibt alles Mögliche. Man muss nicht immer ins Internet rennen, sonst ist man n Internetfreak." (Mädchen, 13 Jahre Neue Öffentlichkeiten im Social Web)

Der Untergang

Wenn wir jemanden lieben, wirklich lieben, ist uns sein Wohlergehen das Wichtigste. Nicht etwa, weil wir aus Liebe zu Altruisten werden, sondern ganz einfach weil sein Wohl die Voraussetzung für unser Wohl ist. Der Mensch ist und bleibt ein Egoist.

Doch was, wenn der geliebte Mensch krank ist? Wir müssen ihm helfen, gesund zu werden. Doch manchmal können wir das schlicht und einfach nicht. Wie sollen wir einem kranken Menschen helfen, der sich selbst nicht eingestehen will, dass er krank ist? Wie sollen wir ihm die Hand reichen, wenn er in den Abgrund springen möchte und sich nicht scheut, uns mitzureißen?

Wir können nichts tun. Wir haben eine scheinbare Wahl zwischen zwei Optionen: Mit ihm untergehen oder ihn allein untergehen lassen.

Doch es ist nur eine scheinbare Wahl. Denn wenn wir ihn lieben, so bedeutet sein Untergang auch unseren Untergang.

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Glaubst du an die Liebe?

"Glaubst du an die Liebe?"
Schweigend gehen wir durch die Nacht.

"Das stand da auf einem Plakat ...", fügte er erklärend hinzu.
Niemand sagt etwas.

"Ok, blödes Thema ..."

Und wir wenden uns unkomplizierteren, lustigeren Themen zu, zu denen jeder was sagen kann und will.

Doch in Gedanken verweile ich bei dieser Frage. Darf man das? Darf man an die Liebe glauben?
Ist man denn nicht ein Dummkopf, wenn man an die Liebe glaubt, in Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird? Darf man, wenn man in einer Spaßgesellschaft lebt, die sich sekündlich wandelt und ändert, an etwas so konstantem wie die Liebe glauben?

Du darfst alles ... lass dich nur nicht dabei erwischen.